UX/UI-Design
SCHAKO KG
Rolle
Senior UX/UI-Designer
Zeitraum
2023 – ongoing
Branche
Technische Gebäudeausrüstung (TGA) · Lüftungs- & Klimatechnik · B2B-SaaS
SCHAKO stellt seit 1928 lufttechnische Komponenten her und gilt als Erfinder des Drallauslasses — heute ein europäisches Kompetenzzentrum für Belüftung und Klimatisierung. Mit SCHAKOnext überführt das Unternehmen seinen Produktkatalog in eine digitale Planungsplattform. Meine Aufgabe war, daraus ein Werkzeug zu machen, das Lüftungs- und TGA-Fachplaner früher im Projekt abholt — vor Konfiguration und Ausschreibung — und dabei die technische Präzision liefert, die diese Zielgruppe erwartet.
Verantwortungstiefe
Strategie → IA → Interaction → UX-Writing → Prototyp
Kernmodule konzipiert
AA
Accessibility-Standard
Zielgruppe
Fokus TGA-Fachplaner
Ausgangslage
SCHAKO verfügte über einen leistungsfähigen Produktkonfigurator und ein etabliertes Online-Auslegungsprogramm — beide setzten jedoch spät im Arbeitsprozess der Planer an, nämlich bei der Frage „Welches Produkt?". In der TGA-Planung entscheidet sich die Komponentenwahl aber deutlich früher: Wer den Fachplaner erst beim Konfigurieren erreicht, konkurriert bereits gegen Entscheidungen, die längst gefallen sind. Der strategische Hebel lag also nicht in einem besseren Konfigurator, sondern im früheren Einstieg in den Planungs-Workflow — dort, wo etablierte Plattformen des Wettbewerbs bislang den Takt vorgeben.
Hinzu kam die Komplexität der Domäne. Fachplaner denken nicht in Einzelprodukten, sondern in Strukturen: Projekt → Gebäude → Geschoss → Raum → Anforderung → Komponente. Jeder Raum trägt eigene lufttechnische Parameter — Volumenstrom, Druckverlust, Schallpegel, Brandschutzanforderung. Ein Werkzeug, das an der Produktebene beginnt, bildet diese Denkweise nicht ab und bremst den Experten aus. Erschwerend wirkten strukturelle Datenlücken: Produktdaten lagen über Ländergrenzen hinweg in getrennten Silos. Die Kernspannung des Projekts: maximale technische Tiefe für Experten, ohne Erstnutzer zu überfordern — bei mehreren Personas, die jede zusätzliche Klickstrecke als Zeitverlust werten. Beispielhaft hier eine Exploration mit Nutzern zur Thematik „Schnelle Raumbestückung", welche die Anlage immer wieder vorkommender Standard-Räume erleichtert.
Vorgehen & Entscheidungen
Die grundlegende Entscheidung war ein Reframing: weg vom Konfigurator, hin zur Planungsplattform. Die gesamte Informationsarchitektur wurde am realen mentalen Modell der Planer ausgerichtet — Räume als zentrale Arbeitseinheit, Komponenten als deren Inhalt. In der Projektansicht führt ein raumbasiertes Register durch Geschosse und Räume; jede Zeile trägt Position, Bezeichnung, den monospaced gesetzten Produktschlüssel und die Menge, während ein kontextsensitives Side-Panel Raumdaten, Luftmengen und Anmerkungen bündelt. So bleibt die Übersicht flach, und die Tiefe wird erst auf Abruf sichtbar.
Dieses Prinzip der schrittweisen Offenlegung (Progressive Disclosure) trägt sich durch alle Module. Drei Entscheidungen prägten das Ergebnis besonders. Erstens: ein durchdachtes System für kritische Aktionen, das Nutzern auf einen Blick zeigt, wie folgenreich ein Schritt ist, statt jede Löschung gleich zu behandeln. Zweitens: technische Machbarkeit als Design-Input — Umsetzungsgrenzen wurden nicht als Hindernis behandelt, sondern flossen von Anfang an in die Gestaltung ein. Drittens: Barrierefreiheit als Grundlinie statt Nacharbeit, mit WCAG 2.2 AA als verbindlichem Standard von Beginn an, validiert über eigenständige, klickbare Prototypen.
„Ein Konfigurator fragt: Welches Produkt? Ein Planer denkt in Projekten, Räumen und Anforderungen. SCHAKOnext wurde entlang der Denkweise der Planer gebaut — nicht entlang des Produktkatalogs."
Wirkung
Das Reframing verschaffte SCHAKO einen strategischen Einstiegspunkt weiter vorn im Planungs-Workflow — genau dort, wo die Komponentenwahl tatsächlich fällt. Statt einen Konfigurator gegen etablierte Plattformen zu stellen, positioniert SCHAKOnext sich als Planungsumgebung, in der der Katalog nur ein Baustein von mehreren ist.
Die erarbeiteten Konzepte bildeten die Grundlage für die Priorisierung der nächsten Ausbaustufe — mit KI-gestützter Vorauslegung, einem Template-Marktplatz und einer integrierten Wissensebene. Für die KI-Funktionen wurden dabei belastbare Designprinzipien gesetzt: Transparenz statt „Magie", durchgängige Reversibilität jeder Vorschlagsaktion sowie Confidence-Scoring und Provenance-Tracking — nicht als Feature, sondern als Voraussetzung dafür, dass Planer den Vorschlägen vertrauen und die fachliche Verantwortung klar zuordenbar bleibt. Der Produktkonfigurator wurde in diesem Zusammenhang ebenfalls redesigned und mit in den Projekt-Workflow eingebettet (siehe nachfolgende Grafik).
Rolle & Zusammenarbeit
Ich verantwortete die UX/UI über die gesamte Tiefe — von der strategischen Positionierung über Informationsarchitektur und Interaction Design bis zu UX-Writing und Frontend-Prototyping.
Die Zusammenarbeit lief eng mit Product Ownership und Entwicklung sowie mit fachlichen und standortübergreifenden Stakeholdern; Implementierungsrealität und Datenlage flossen dabei kontinuierlich als Gestaltungsparameter zurück ins Design. Meine Prototypen dienten weniger der Illustration als der Validierung: eigenständige, technisch anschlussfähige Artefakte, an denen Konzepte vor der Umsetzung überprüfbar wurden.